Stummfilm ist nicht nur Film sondern auch Konzert 


Stummfilme sind nicht einfach stumm, sie wurden von jeher durch live Musik untermalt. Damit ist der Stummfilm eine eigenständige Kunstform, die Film und Konzert vereint. Markus Dürrenberger hat sich dieser Kunstform verschrieben und begleitet alte Filme mit neuer Musik. 

 

«Die Weber» von Gerhart Hauptmann (Regie Friedrich Zelnik)   

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Im Zuge der Mechanisierung der Textilproduktion in der Mitte des 19. Jahrhunderts leiden die Heimarbeiter grosse Not. Es herrschen Arbeitslosigkeit und Hunger, Krankheit und Tod. Die Gesellschaft ist geprägt durch ein grosses Wohlstandsgefälle: Mächtige Fabrikherren, Adlige und klerikale Elemente steigern ihren Reichtum ins Unermessliche - auf Kosten der darbenden Arbeiterschaft. Es kommt zum Aufstand der unzufriedenen Weber, den Polizei und Militär niederzuschlagen versuchen. Zwar gewinnen die Weber, aber der Preis für den Sieg ist hoch. Die alte Ordnung ist zerstört. Doch wie entsteht aus der Zerstörung eine neue und vor allem bessere Ordnung?

Auch in der Schweiz gibt es Beispiele für gewaltsame Aufstände und Revolten während der Industrialisierung - z.B. den Brand von Uster, den Gelterkindersturm oder die Streiks um die Tuchdruckerei Trümpy in Glarus oder um die Spinnerei Hühnerwadel in Lenzburg.

Gerhart Hauptmanns Klassiker geht aber weit über die geschichtlichen Ereignisse zur Zeit der Industrialisierung hinaus: Das Werk geht der Frage nach, was passiert, wenn eine Gesellschaft im Verlauf ihrer Entwicklung Brüche und Umbrüche erleidet: Wenn die bisherige Oberschicht ihre Autorität verliert, die Kirche ohnmächtig und handlungsunfähig wird, die Staatsmacht zwischen den Fronten laviert und die Rachegefühle des notleidenden Volkes zu Gewaltexzessen und blinder Zerstörungswut führen. Wie müsste, fragt Hauptmann, eine neue Gesellschaftsordnung aussehen, welche die soziale Spaltung überwinden und allen eine humane Perspektive eröffnen kann?

Die Parallelen zur heutigen Situation liegen auf der Hand: Wir denken an soziale Verwerfungen durch die Globalisierung, an Bankenexzesse und Finanzkrise, an Managervergütungen und Mindestlöhne, an Gewaltausbrüche frustrierter Jugendlicher, an Volksaufstände und Regime-Umstürze in Nahost und nicht zuletzt auch an die unmenschlichen Produktionsbedingungen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der grossartige Stummfilm von Friedrich Zelnik entstand 1927 und sorgte für einigen gesellschaftlichen Aufruhr in ganz Europa, weshalb er von den Behörden verschiedener Länder zensuriert wurde. 2012 wurde der Film aufwändig restauriert. Er liegt nun in einer erstklassigen und dank der Restaurierung wieder vollständigen (unzensurierten) Fassung in HD-Qualität vor. Höchste Zeit, dass dieses grossartige Meisterwerk und zeitlose Zeitdokument erneut den Weg zum Publikum findet!

 

Ergänzende Gedanken von Markus Dürrenberger zum Programm:  

Was kann man sagen über einen Klassiker wie «Die Weber» von Gerhart Hauptmann? Manche werden das Drama in der Schule gelesen haben. Doch was Friedrich Zelnik gemeinsam mit der Crème-de-la-Crème der Stummfilmkünstler vor und hinter der Kamera Ende der 1920er Jahre realisiert hat, ist schlicht und ergreifend ganz grosses Kino. Hauptmanns Volksstück hat nichts an Aktualität eingebüsst und stellt drängende Fragen, die uns heute noch genauso betreffen, wie die Menschen in der deutschen Provinz während den Anfängen der Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Frage nach der Gerechtigkeit. Die Frage nach dem richtigen Mass. Die Frage nach der Verteilung von Last und Lohn. Die Schere zwischen Arm und Reich. Die Frage, wie Dinge verändert werden könnten und müssten. Die Frage nach der Zukunft.

Fragen also, wie sie aktueller nicht sein könnten: Natürlich stehen wir heute auf einer anderen Stufe der Evolution, aber in Wahrheit sind die allermeisten von uns nach wie vor Weber - irgendwo an einem Schreibtisch, hinter einer Kasse oder einem Steuerrad, auf einer Baustelle, an einem Sitzungstisch... hoffend auf die Gnade, dass wir es einigermassen unbeschadet bis in die Pension schaffen. Und noch immer steht da die Masslosigkeit im Raum. Stumm. Anklagend. Uns alle zu vernichten drohend. Der Film stellt die elementaren Fragen, fährt ein und ist ein absolutes Meisterwerk, das Spuren hinterlässt - bis weit unter die Oberfläche.

 

Nächste Spieldaten



 
siehe Veranstaltungskalender

 

 

 

 

Pressestimmen

Pressestimmen zum Programm «Die Weber» finden Sie hier.


Stimmen aus dem Publikum

Feedbacks vom Publikum zum Programm «Die Weber» finden Sie hier.



Schulaufführungen

Alle Details zu Vorstellungen für Schulen finden Sie hier.

 

Ich danke folgenden Kulturförder-Institutionen, Gönnern, Sponsoren und sonstigen Supportern für die Unterstützung des Projektes «Die Weber»:

 

- Gemeinde Gais AR 

www.gais.ch 

  

- Kulturförderung Appenzell Ausserrhoden 

www.ar.ch 

 

- Kanton St. Gallen Kulturförderung / Swisslos 

www.kultur.sg.ch 

 

- Kanton Zürich, Fachstelle Kultur

www.fachstellekultur.zh.ch


- STAB - Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur 

www.stab-ch.org 

 

- Stiftung Corymbo 

www.corymbo.ch 

  

- Ernst Göhner Stiftung 

www.ernst-goehner-stiftung.ch 

 

- Fonds zur Förderung von Kultur und Brauchtum
  in Appenzell-Ausserrhoden
 

 

 

- Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Mobiliar 
  Genossenschaft
 

 

 

- Huber+Suhner Stiftung 

 

 

- TISCA TIARA Stiftung 

 

 

- Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank 

 

 

- Murnau-Stiftung Wiesbaden 

www.murnau-stiftung.de 

 

- Tondesign (Tontechnik)  

www.tondesign.ch 

 

- porto libro (Grafik) 

www.portolibro.ch 

 

- GZS Gewerbezentrum Strahlholz AG (Haspel)
 

www.gzs-gais.ch